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Berufskollegs – „hidden champions“ der Bildung?

09. Dezember 2018

Nicht nur das Bundeswirtschaftsministerium betont es: Mittelständische Unternehmen sind der Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft. Sie stellen über 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland und erwirtschaften mehr als die Hälfte der Wertschöpfung.

Darüber hinaus stellen sie fast 60 Prozent aller Arbeitsplätze und über rund 82 Prozent der betrieblichen Ausbildungsplätze bereit. Eine im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellte Studie zeigt, dass mittel­ständische Unternehmen mit ihren bewährten Spezialisierungs- und Nischen­strategien auch weiterhin als Erfolgsmodell "Made in Germany" gelten.

Die in diesem Zusammenhang genannten Eigenschaften vielfältig und dynamisch, bodenständig und innovativ beschreiben die Stärken des Mittelstands, dank derer sie als enorm krisenfest gelten und entscheidend zur Wettbewerbs­fähigkeit und zum hohen Beschäftigungs­stand in Deutschland beitragen.

So ist es nicht verwunderlich, dass aus Deutschland über­proportional viele heimliche Weltmarktführer ("hidden cham­pions") kommen, die in engem Kontakt zu ihren welt­weiten Kunden hochspezialisierte und meist innovative Pro­dukte und Problemlösungen produzieren. Das Erfolgs­rezept: Beste Qualität, hohe Wertschöp­fungs­tiefe und Konzentration auf die ureigenen Kompetenzen.

 

Die Bedeutung der Berufskollegs in NRW

Dies gilt auch für ein anderes Erfolgs­modell: die duale Berufsausbildung, die einen ebenfalls weltweit anerkannten Garanten für die Fachkräfte­sicherung bildet. In der dualen Berufsausbildung, die einen ebenfalls weltweit anerkannten Garanten für die Fachkräfte­sicherung bildet. In der dualen Berufs­aus­bildung sind die Berufs­kollegs der wichtige Partner der ausbil­denden Unterneh­men, der oft über die Regelungen im Berufsbildungsgesetz hinaus auf die Abschlussprüfung der Kammern und die spätere berufliche Tätigtkeit intensiv vorbereitet.

Diese Bedeutung wird in dem aktuellen Positionspapier „Berufskollegs als Partner der Wirtschaft“ von IHK NRW, Unternehmer NRW und Westdeutschem Handwerks­kammertag vom Juni 2018 deutlich hervorgehoben [1].

Auszubildende nach Ausbildungsbereichen

 

So unterschiedlich wie die knapp 6 Millionen mittelstän­dischen Unter­nehmen sind auch die 255 öffentlichen Be­rufs­kollegs mit fast 25.000 Lehrkräften in Nordrhein-Westfalen.

Mit rund 517.000 Schülerinnen und Schüler beschulen sie weit über 65 % aller Schülerinnen und Schüler in der Sekun­dar­stufe II, in der die quantitativ größte Schüler­gruppe über 300.000 Berufsschülerinnen und Berufs­schüler (vgl. u. a. Grafik „Auszubildende in NRW“ [2]) sind.

Sowohl in Ballungszentren als auch in ländlichen Regionen bieten die Berufskollegs neben der bewährten Beschulung der dualen Ausbildungsberufe auch ein vielfältiges Bil­dungs­­­angebot als Vorbereitung auf eine Berufsausbildung und im Anschluss an eine Berufsausbildung als Weiterbildung.

Ähnlich wie die mittel­stän­dischen Unterneh­men sind die Berufs­kollegs bei ihren Bil­dungs­­ange­boten darauf ange­wiesen und darin versiert, mit Schul­trägern, Schulauf­sicht, Kam­mern, den Ausbil­dungsbetreiben und anderen Part­nern flexibel, marktorientiert und abgestimmt zu han­deln.

Analog zu den erfolg­reichen Unternehmen benötigen Be­rufs­­kollegs stabile Rahmenbedingungen und Gestal­tungs­freiräume, um ihren Bildungsauftrag vor Ort bestmöglichst zu erfüllen.

 

Mögliche Handlungsfelder der Berufskollegs

Der vLw unterstützt nachhaltig alle Anstrengungen, die Rol­le der Berufskollegs als erfolgreiche Bildungsakteure und Lernortpartner nicht nur in der dualen Ausbildung, sondern auch als System­anbieter dauerhaft zu stärken und als Standortfaktor im globalen Wettbewerb auszubauen. und die Leistungen der Berufskollegs entsprechend anzuerkennen.

Dazu bieten der derzeitige Rechtsrahmen mit dem Schul­gesetz und der APO-BK in Nordrhein-Westfalen viele gute Möglich­keiten, die von den über 250 Berufskollegs bereits jetzt intensiv genutzt werden und sicherlich noch ausbaufähig sind.

Zu diesen bereits häufig umgesetzten, aber sicher noch weiter zu entwickelnden Handlungsfeldern gehören u. a.:

  • Schulträgerbezogene Zusammenarbeit bei der Beschu­lung und Austausch von Schülerinnen und Schülern mit Flüchtlingshintergrund,
  • Schulformübergreifende Zusammenarbeit im Über­gangs­­management aus der Sekundarstufe I aller Schulformen zum Berufs­kolleg,
  • Schulträgerübergreifende Zusammenarbeit bei der Erstellung von FHR-Prüfungsvorschlägen mehrerer Berufskollegs in einem Fachbereich,
  • Bezirksweite Zusammenarbeit bei Fortbildungen für Lehr­kräfte in Bezirksfachklassen oder zu spezifischen Themen (wie z. B. Krisenmanagament).

Diese beispielhafte Aufzählung von vier Handlungsfeldern zeigt, dass insbesondere in Ballungszentren wie der Rhein- oder der Ruhr-Region die Kooperation von Berufskollegs nicht nur auf einen Schulträgerbezirk begrenzt sein kann, son­dern situativ unterschiedliche Kooperations­formen erfordert.

Dieser Aufgabe stellen sich seit vielen Jahren viele unserer Berufskollegs in bewährten, unterschiedlichen Koopera­tions­formen – mit Berufskollegs und auch mit vielen anderen Schulformen. So hat 2006 die vorherige schwarz-gelbe Landes­re­gierung wichtige Erfahrungen des Modell­vor­habens „Selbst­ständige Schule“ als Inhalte in einem überarbeiteten Schul­gesetz für die eigenverantwortlichen Schulen aufgegriffen und zahlreiche Bildungsnetzwerke initiiert.

Regionales Berufsbildungszentrum Dortmund

Der Aufbau eines „Regionalen Berufsbildungszentrums“ 1 ist ein fünfjähriges Entwicklungsvorhaben (2013 bis 2018) des Ministe­riums für Schule und Weiterbildung, der Stadt Dortmund und der acht städtischen Berufskollegs. Das Entwicklungsvorhaben zielt auf ein gemeinsames Vorgehen in unterschiedlichen Handlungsfeldern der beruflichen Bildung.

Der Abschlussbericht sieht u. a. als eine organisatorische Konsequenz die Einrichtung eines RBZ Modell-Berufskollegs als teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts vor, das die Arbeit der acht Dortmunder Berufskollegs steuern soll. 2

Im Januar 2018 hat die Stadt Dortmund einen Antrag auf Einrichtung eines RBZ-Modell-Berufskollegs Dortmund beim Ministerium für Schule und Bildung gestellt.

Am 21.11.2018 hat sich der Schulausschuss des Landtags u.a. mit dem Thema Regionaler Bildungszentren ausein­andergesetzt. 3

Erläuterungen:

1 Mehr unter. http://www.rbz-do.de/ am 25.11.2018
2 Vgl. Abschlussbricht, S. 75 http://www.rbz-do.de/files/redaktion/wiss-begleitung/rbz-abschlussbericht-web.pdf

3 Vgl. 30. Sitzung des NRW Schulausschusses, www.landtag.nrw.de

 

Im Mittelstand ist gerade die Größe der Unternehmen mit meist unter 500 Mitarbeitern ein wichtiger Erfolgsfaktor. Diese Stärke von nachfrageorientierter Flexibilität und unbürokratischerer Steuerbarkeit kennzeichnet auch viele unserer Berufskollegs mit oft 70 bis 120 Lehrkräften.

Aus Sicht des vLw ist es wichtig, keine Großformen oder neue bürokratische Verwaltungseinheiten wie eine teilrechtsfähige Anstalt (vgl. Kasten zum RBZ Dortmund) zu schaffen, son­dern geeignete Kooperationsmodelle (wie z. B. Lenkungs­kreise als Koordinations­gremien) der bestehenden Berufskollegs und Schulen zu stärken. Darüber hinaus gibt es weitere Gremien, wie z. B. den regionalen Ausbil­dungskonsens, der mit weiteren relevanten Partnern regionale Abstimmungen von Bildungs­angeboten koordinieren kann.

Eckpunkte für bessere Rahmenbedingungen

Aus Sicht des vLw sind u.a. folgende vier Eckpunkte für einen stabilen Organisations- und Handlungsrahmen wichtig, um Berufskollegs zu stärken und so den Fachkräftebedarf zu sichern.

  • Rechtssicherheit für Lehrkräfte und alle Beteiligte
    Schul-, Dienst- und Personalvertretungsrecht geben heute Lehrkräften und allen anderen Mitwirkenden viele Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten, schulische Prozesse und berufliche Bildung in den Berufskollegs transparent und rechtssicher zu gestalten.
  • Mehr Eigenverantwortlichkeit für die Berufskollegs
    Unsere Berufskollegs vor Ort benötigen neben dieser Rechts­sicherheit auch Planungs- und Gestaltungs­frei­raum über die schulischen (Personal-)Ressourcen. Angelehnt an das Grundschulmotto „kurze Beine . kurze Wege“ muss ein Berufskolleg – ohne bürokratische Vor­gaben von Mindestgrößen - mit Kammern und weiteren Verant­wort­lichen vor Ort über die Fortführung bereits bestehender, Berufsschulklassen entscheiden können. Dazu gehört auch die unbürokratische Entscheidung über die Aufnahme von schwächeren Schülerinnen und Schüler mit der Fachoberschulreife, die in der Berufs­fachschule - wie im allgemeinbildenden Schulwesen - den Qualifikationsvermerk und darüber hinaus berufs­be­zogene Kenntnisse als Vorbereitung für eine Berufsausbildung erwerben können.
  • Verstärkte Kooperation mit Zubringerschulen
    Der Übergang aus der Sekundarstufe I in die dualen oder vollzeitschulischen Bildungsgänge des Berufs­kollegs ist ausbaufähig und verbesserungsbe­dürftig. Dies beweist die sinkende Ausbildungsquote (vgl. Grafik „Ausbildungs- und Studienanfänger“ [1]) und die steigende Zahl von Studienanfängern und leider damit korrespondierend von Studienabbrechern. Auch wenn die Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ einen ersten Grundstein zur Berufs- und Studienwahlorientierung gelegt hat, sind hier noch viele an­dere Ansätze dringend erforderlich, um Jugendlichen nach der Sekundarstufe I nicht nur den Weg in eine gymnasiale Oberstufe aufzuzeigen. Hier ist eine stärkere Verzahnung der Berufskollegs mit den Realschulen durch eine vor Ort institutionalisierte Kooperation wünschenswert. Dies können z. B. gegenseitige Unterrichtsbesuche von Real- und Berufsschulklassen, gemeinsame Schulprojekte und Austausch von Lehrkräften zu beruflichen Themen sein.
  • Keine Deckelung der Leitungszeit für Berufskollegs
    Um z. B. FHR Prüfungsvorschläge zwischen mehreren Be­rufs­kollegs in einem Fachbereich oder das Über­gangs­management für Schüler der Se­kun­darstufe I mit den Berufskollegs effektiv abzustimmen, müssen die verant­wortlichen Lehkräfte zeitlich entlastet werden.
    Wegen des erhöhten Management- und Abstimmunsgebdarfs sollte die bisherige Deckelung der Leitungszeit für große Schulen ab der 50. Grundstelle gestrichen werden (§ 5 der VO 93 zu SchulG).

Der vLw ist überzeugt, dass die über 250 öffentlichen Berufskollegs als „hidden champions“ mit den dualen Partnern den Fach­kräftebedarf in Nordrhein-Westfalen sichern können.

Um die Berufskollegs zu stärken und deren fast 25.000 Lehrkräfte in ihrer Arbeit zu unterstützen, ist der vLw für den konstruktiven Dialog bei der vom Schuliminsiterium geplanten Agenda für Berufskollegs - gerne auch gemeinsam mit allen Bildungsbeteiligten - bereit.

Im Namen des vLw bedanke ich mich für die vertrauens­volle und angenehme Zusammenarbeit im Jahr 2018 und

wünsche allen Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten und für das neue Jahr Gesundheit, Glück und Erfolg.

von Zedlitz

Hilmar von Zedlitz-Neukirch

Landesvorsitzender


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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